| Katja
Esson über die Oscar-Nominierung ihrer Dokumentation "Ferry
Tales" "Ganz nah bei Johnny Depp!" Die in New York lebende Hamburgerin Katja Esson, 38, über die Oscar-Nominierung ihrer Dokumentation "Ferry Tales" Kurz-Doku: Geheimnisse auf dem Damenklo: Katja Esson hat mit "Ferry Tales" Oscar-Chancen. |
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| SPIEGEL: Frau Esson, wie haben Sie gefeiert, als Sie von der Nominierung erfuhren? ESSON: Natürlich wusste ich, dass der Film in der Vorauswahl war, aber als am 27. Januar die Oscar-Kandidaten bekannt gegeben wurden, war ich weit weg von allem, mitten im brasilianischen Dschungel. Es tobte ein Unwetter, es gab kein Telefon in unserer Hütte. Mein Freund und ich fuhren stundenlang über Feldwege bis zu einem Luxushotel, wo ich den Manager anflehte, das Internet benutzen zu dürfen. SPIEGEL: Und dann kehrten Sie schleunigst zurück nach New York? ESSON: Ja, dort lag schon ein Päckchen von der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences". Erst da glaubte ich es wirklich: Katja Kümmerle aus Hamburg-Poppenbüttel darf übern roten Teppich. SPIEGEL: In Ihrem kurzen Dokumentarfilm geht es weniger glamourös, dafür aber kurios zu. ESSON: Ja, es ist ein Film über eine eingeschworene Gruppe von Frauen aus allen sozialen Schichten New Yorks. Schwarze, weiße, arme, reiche Frauen, die sich auf der Fähre von Staten Island nach Manhattan treffen. 20 Minuten, jeden Tag, auf dem Weg zur Arbeit, im Schminkraum der Fähre. Kein Mann war da jemals drin, ein exklusiver Club von Diven. Die Frauen reden über die Liebe und das Leben, mal komisch, mal traurig, mal frech. SPIEGEL: War es schwierig, die Damen für den Film zu gewinnen? ESSON: Ich schlich wochenlang auf der Fähre herum, um sie erst mal ohne Kamera zu beobachten. Hinterher erfuhr ich, dass sie alle immer schon gerätselt hatten: "Wer ist diese Verrückte?" Dann sprach ich eine Frau an, und sie schrie sofort begeistert: "Ich will ein Star sein!" Da wollten sie alle mitmachen. Aber es dauerte noch Monate, bis ich das Vertrauen der Frauen wirklich gewinnen konnte. SPIEGEL: Sie leben seit zehn Jahren in New York, und dank einer Heirat nicht unter dem Namen Kümmerle, sondern Esson. ESSON: Ja, Gott sei Dank, denn beim Fototermin stehen die Nominierten in alphabetischer Ordnung, und da ist E wie Esson ganz nahe dran an D - D wie Johnny Depp! . . . . . . . . . . . . . . . Der Spiegel FILM Ausgabe 9 Seite 159 vom 21.02.2004 |