Die Welt im "Powder Room"

Auch Hamburgerin Katja Esson für den Oscar nominiert


Nein, Florian Baxmeyer ist nicht der einzige Hamburger, der für einen Oscar nominiert wurde. Das erfuhr die WELT am Donnerstag aus Manhattan von der Mit-Produzentin Corinna Sager des über "Die rote Jacke" hinaus ernannten Kurzfilms "Ferry Tales". Die zweite Oscar-Nominierung ging also an die seit zehn Jahren in New York lebende Hamburgerin Katja Esson (38) in der Kategorie "Kurzdokumentarfilm". Er heißt "Ferry Tales", dauert 39 Minuten und wurde auf der Damentoilette (vornehmer auf Amerikanisch: Powder Room) einer Fähre gedreht.

Was Katja Esson dort in drei Monaten eingefangen hat, "ist eine Hommage an New York und vor allem an die ganz normalen Frauen, die hier leben", sagt Corinna Sager. Denn diese lebensklugen, witzigen und warmherzigen Frauen, die täglich von der Insel Staten Island nach Manhattan und zurück pendelten, seien alle stark, "und das ist die Stärke des Films", so Sager. Egal ob arm, reich, alt, jung, schwarz, weiß oder latino - diese Frauen teilen ihre Sorgen und Schicksale, rasieren sich die Beine oder drehen sich Lockenwickler rein: "Auf der Fähre bin ich nicht Mrs Hanks, nicht Mami, sondern einfach nur ich", so Darstellerin Camilla Hanks. "Es war schon komisch, sie in der Fährentoilette auf den Plan anzusprechen, einen Film über sie zu drehen. Aber sie waren einverstanden", sagt Katja Esson.

Fünf Frauen hat sie nach einem Casting ausgewählt, drei Monate hat sie sie begleitet.

Kurz darauf kam der Schock des 11. September 2001, und alles lag erst mal auf Eis. Dann entschloss sich die Filmemacherin, darauf zu reagieren und die Frauen vor laufender Kamera im Powder Room zu fragen, wie sie den grauenhaften Anschlag erlebt haben, der fast direkt über ihren Köpfen stattfand. Eine von ihnen: "Oben kam Rauch aus dem WTC. Aber wir sind New Yorker. Wir sind arbeiten gegangen." Esson hat daraus eine Aussage gemacht: "Alle haben von den Polizisten und den Feuerwehrmännern geredet. Aber was war mit den normalen Leuten? Denen, die an diesem Tag zur Arbeit gegangen sind, habe ich mit meinem Film eine Stimme gegeben."

Der Film über die unbekannten Überlebenskünstlerinnen von New York nahm eine Hürde nach der anderen. Am Tag der Nominierung "war Katja im Urlaub. Wir haben gewartet, bis sie zurückkam." Deshalb hörte man in Deutschland auch erst jetzt davon. Die Freude war riesig. "Wir haben alle unser eigenes Geld in den Film gesteckt und gebetet, dass es was wird", erzählt Corinna Sager. "Egal was kommt, den muss ich fertig machen", so viel wusste Katja Esson. Denn "da steckt so viel drin!" Die Oscar-Nacht ist am 29. Februar. Noch zwei Wochen Daumen drücken. Eng

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Die Welt
Artikel erschienen am 13. Feb 2004
 
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